Das Resilienzköfferchen – 10 kleine Kraftquellen für herausfordernde Zeiten

Das Resilienzköfferchen – 10 kleine Kraftquellen für herausfordernde Zeiten

Ein Resilienzköfferchen hilft dir, in stressigen oder herausfordernden Zeiten auf deine persönlichen Kraftquellen zurückzugreifen. Mit praktischen Ideen zum Nachmachen.

Auf einem Spaziergang hat mich eine liebe bekannte wieder auf diesen Resilienzkoffer aufmerksam gemacht. Es ist fast 15 Jahre her, das ich mir meinen Notfallkoffer zusamengestellt habe und er liegt als gefalteter Zettel in meinem Portmonaie. Mnachmal schaue ich ihn mir an.

Es gibt Zeiten im Leben, da scheint alles leicht. Wir fühlen uns verbunden, lebendig, voller Energie. Wir genießen die Natur, Bewegung, Begegnungen und kleine Momente des Glücks.

Und dann gibt es andere Phasen: Erschöpfung, Überforderung, Trauer, Veränderung oder Situationen, die uns unerwartet aus dem Gleichgewicht bringen.

Gerade dann vergessen wir manchmal, was uns eigentlich guttut.

Wir geraten in alte Muster: Wir wollen schneller werden, mehr leisten, alles verstehen, einfach nur noch funktionieren oder das unangenehme Gefühl einfach weghaben.

Dabei brauchen wir in solchen Momenten oft nicht noch mehr Anstrengung. Wir brauchen Erinnerung. Erinnerung an das, was uns trägt.

Was ist ein Resilienzköfferchen?

Ein Resilienzköfferchen ist eine persönliche Sammlung von Kraftquellen und Ressourcen. Der Begriff wird in der Resilienzförderung, in Therapie und Coaching genutzt. Manchmal wird auch von einem „Notfallkoffer“ gesprochen.

Es geht nicht darum, schwierige Gefühle wegzumachen oder immer stark sein zu müssen.

Ein Resilienzköfferchen unterstützt dich dabei, dich in herausfordernden Zeiten selbst gut zu begleiten.

Es ist eine kleine Erinnerung:
Da gibt es etwas, das mir hilft. Da gibt es etwas, das mich wieder mit mir verbindet.

Warum gerade die guten Zeiten sammeln?

Vielleicht ist der Sommer ein besonders schöner Zeitpunkt dafür.

Denn wenn es uns gut geht, haben wir leichter Zugang zu dem, was uns nährt. Wir können sammeln.

Einen Moment im Wald.
Den Duft von Lavendel.
Das Gefühl von Sonne auf der Haut.
Ein Lied, das uns berührt.
Ein Gespräch, nach dem wir uns leichter fühlen.

Diese kleinen Erfahrungen sind nicht banal. Unser Körper speichert sie als positive Erfahrungen ab.

Und genau daraus kann unser persönliches Resilienzköfferchen entstehen.

Was darf alles in dein Resilienzköfferchen?

Alles darf hinein, was dir gut tut und entspannt: ein echter kleiner Koffer oder eine Schachtel oder ein schönes Glasgefäß … oder auch nur eine Liste im Handy oder im Portmonaie.

Darin können Platz finden:

  • ein schönes Foto oder Postkarte
  • ein Stein aus einem besonderen Moment
  • eine getrocknete Blüte
  • ein angenehmer Duft
  • ein weicher Stoff
  • eine schöne Feder
  • ein Lieblingslied
  • eine Bewegung, die dich wieder in deinen Körper bringt
  • eine einfache Atemübung
  • eine beschreibung zu einem kleinen Ritual
  • ein Satz, der dich berührt
  • eine Erinnerung an einen schönen Ort
  • die Telefonnummer eines Menschen, der dir guttut
  • eine Adresse von Unterstützung, Massage, …, die du dir gönnen möchtest
  • eine Hand, die du auf dein Körper legst, auf Herz, Bauch …

Und vielleicht liegt darin auch ein kleines Zettelchen mit einem 😉:

„Erinnerung: Du musst nicht alles alleine lösen. Vielleicht ist es Zeit für eine Sitzung in Körperarbeit“

Denn manchmal brauchen wir nicht noch mehr Denken, Analysieren oder Verstehen. Manchmal brauchen wir einen Raum, in dem wir wieder spüren können.

Körperarbeit kann dabei unterstützen, wieder mehr Kontakt zum eigenen Körper aufzunehmen, Spannungen wahrzunehmen und die eigenen Ressourcen zu entdecken.

Natürlich ist Körperarbeit nur eine von vielen Möglichkeiten. Für die eine Person ist es ein Waldspaziergang, für die andere ein Gespräch, Musik, Tanz, Ruhe oder eine kreative Tätigkeit.

Die Frage ist nicht:
Was sollte mir guttun?

Sondern:
Was lässt mich aufatmen?

Dein persönliches Resilienzköfferchen packen

Nimm dir 10 Minuten Zeit und sammle mindestens 10 Dinge, die dir Kraft geben.

Nicht die Dinge, von denen du denkst, dass sie gut für dich sein müssten.

Sondern die Dinge, bei denen dein Körper tatsächlich ein kleines bisschen weicher wird und du tiefer atmest.

So kann daraus eine Sammlung entstehen, die dich durch viele verschiedene Lebensphasen begleiten kann.

Denn Resilienz bedeutet nicht, dass uns nichts mehr berührt.

Resilienz bedeutet, dass wir Wege kennen, wieder zu uns zurückzufinden.

Alles Gute!
Michaela

Hintergrund: Die Idee des Resilienzköfferchens orientiert sich an Ansätzen der Resilienzförderung und Ressourcenarbeit aus Psychologie, Therapie und Gesundheitsförderung. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen und Krisen umzugehen und sich anzupassen.

Weiterführende Links:

Mehr zum Thema Rituale: www.michaela-hoehle.de/videos-podcasts/#rituale

www.michaela-hoehle.de/videos-podcasts/#rituale