Erschöpfung im Körper
Sichtweisen von Dami Charf und meine persönlichen Reflexionen zu Trauma, Selbstregulation & Therapieprozessen
Hinweis: Die folgenden Gedanken stammen aus dem Originalbeitrag von Dami Charf: „Erschöpfung im Körper„. Ich schätze Dami sehr und teile hier ihre Erkenntnisse in meinen eigenen Worten, ergänzt um meine persönlichen Erfahrungen, um Impulse für therapeutische Prozesse und Selbstreflexion zu geben. (Lesezeit ca. 6 Minuten)
Dami Charf ist eine erfahrene Körperpsychotherapeutin, erfolgreiche Autorin und eine der Pionierinnen für Arbeit mit Entwicklungstrauma in Deutschland. Auf ihrer Webseite traumaheilung.de teilt sie tiefgehende Einblicke in körperliche, emotionale und physiologische Zusammenhänge von Trauma und Heilung – praxisnah, reflektiert und ehrlich.
Auch ich kenne Phasen starker körperlicher Erschöpfung und körperliche Symtome, die das Nervensystem belasten. In meiner Arbeit an mir selbst (u.a. in Einzelsitzungen) lerne ich, diese Symptome zu verstehen, ohne mich ständig zu überanalysieren oder an mir „herumzudoktern“. Stattdessen geht es mir darum, eine gesunde Selbstregulation zu entwickeln und wieder in meine körperliche und emotionale Balance zu finden.
Wenn Körper und Energie zusammenbrechen
Dami beschreibt, wie sie trotz 30 Jahren Erfahrung in Körperpsychotherapie körperlich zusammenbrach: völlige Erschöpfung, Konzentrationsverlust und Schlafprobleme. Selbst intensive therapeutische Arbeit konnte sie nicht davor bewahren.
Körperliche Erschöpfung kann tiefe, oft unbemerkte Ursachen haben, die selbst erfahrene Therapeut:innen überraschen können.
Die Illusion der „endgültigen Heilung“
Viele Menschen glauben, dass Therapie, Coaching oder Selbstreflektion dauerhaft schützen. Dami nennt dies die „Illusion“, dass es einen Punkt gibt, an dem alles gut ist. Selbst Expert:innen erleben Krankheit, Krisen und körperliche Belastungen.
Heilung ist ein fortlaufender oft leiser Prozess – nicht ein Endzustand. Resilienz aufbauen und Rückschläge bewältigen ist zentral.
Hierzu gibt es auch einen Blogbeitrag von mir: https://www.michaela-hoehle.de/heilung-waechst-leise/
Trauma hinterlässt tiefe Spuren
Studien wie die ACE-Studie zeigen, dass belastende Kindheitserfahrungen stark mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rückenschmerzen korrelieren. Dami verdeutlicht, wie lange diese Effekte im Körper wirken, selbst wenn äußere Symptome fehlen.
Damis Einsicht und Hinweis: Vor psychologischer Arbeit sollte die körperliche Basis stabil sein. Funktionelle Medizin und physiologische Regulationsfähigkeit sind entscheidend für nachhaltige Therapieergebnisse.
Selbstregulation heißt Schwingen, nicht nur Runterkommen
Viele Selbsthilfe-Ansätze fokussieren auf Entspannung. Dami macht klar: echte Selbstregulation bedeutet, Freude, Neugier, Lebendigkeit und Stress auszuhalten und sich danach wieder zu beruhigen.
Auch für mich selbst ist das ein Lernprozess: Es geht darum, meine körperlichen Symptome, meine Müdigkeit und die Erschöpfung wahrzunehmen, zu verstehen und nicht reflexhaft dagegen anzukämpfen. Schritt für Schritt entwickle ich so weiter ein stabileres Gespür für meine gesunde Selbstregulation.
Heilung zeigt sich in Schwingungsfähigkeit, Resilienz und Balance – nicht nur in Ruhe und Entspannung.
Die Vereinfachungsfalle vermeiden
Es gibt keine „eine Übung“ oder „eine Methode“, die alle Probleme löst. Heilung ist wie ein Puzzlespiel: Stück für Stück, mit kleinen Fortschritten, Geduld und kontinuierlicher Anpassung.
Lebendigkeit wieder spüren
Dami betont, dass viele Menschen nicht mehr wissen, wie echte Lebendigkeit sich anfühlt. Therapeutische Arbeit kann helfen, diese Fähigkeit wieder zu erleben – nicht nur zu regulieren, sondern zu spüren, zu leben, zu schwingen.
Mein persönlicher Bezug: Auch ich entdecke immer wieder kleine Lichtblicke, bewußte Momente, in denen ich spüre, wie sich Lebendigkeit anfühlen kann. Das ist Motivation, meine eigene Balance weiterzuentwickeln.
Fazit: Therapie ist ein Prozess, keine Garantie
Dami Charfs Erfahrungen zeigen, dass Therapie und Körperarbeit kein Schutzschild gegen alles sind. Sie sind Mittel, um Stabilität, Lebendigkeit und Resilienz zu entwickeln und mit dem Leben in all seinen Herausforderungen umgehen zu können.
Für alle, die tiefer einsteigen möchten, empfehle ich den Originalbeitrag von Dami Charf: Erschöpfung im Körper.
“Vom Heilwerden
Beim Heilwerden geht es darum
unsere Herzen zu öffnen
und nicht sie zu verschließen.Es geht darum, die Stellen in uns,
die die Liebe nicht einlassen wollen,
weich zu machen.Heilung ist ein Prozess.
Beim Heil werden schaukeln wir hin und her zwischen den Misshandlungen der Vergangenheit
und der Fülle der Gegenwart
und bleiben immer öfter in der Gegenwart.Es ist ein Schaukeln, das Heilung bewirkt
und nicht das Steckenbleiben
an einer der beiden Stellen.Der Sinn des Heilwerdens ist nicht
für immer glücklich zu werden,
das ist unmöglich.Der Sinn der Heilung ist,
wach zu sein und (das eigene) Leben zu leben,
nicht bei lebendigem Leibe zu sterben.Heilung hängt damit zusammen,
gleichzeitig ganz und zerbrochen zu sein.”
Quellen:
Originalbeitrag von Dami Charf „Erschöpfung im Körper„: https://traumaheilung.de/erschoepfung-im-koerper/
Wikipedia zur ACE Studie: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Adverse_Childhood_Experiences_(ACE)_Study
Meinen Blogbeitrag zum Thema „Heilung wächst leise“ : https://www.michaela-hoehle.de/heilung-waechst-leise/
Text/Zitat „Vom Heilwerden„: Quelle unbekannt
Foto: Skulptur im Skulpturenpark Oslo – Copyright Michaela Höhle

